Social Media · Fortgeschritten · Vier Edits ohne Schnittprogramm
4 Looks, 0 Cutter: So entsteht ein Reel mit Wort hinter dem Kopf
Vier Talking-Head-Clips im Raster, große Wörter laufen hinter dem Kopf durch, Sticker fliegen rein. So sieht ein Edit vom Profi-Cutter aus. Wir haben es mit KI nachgebaut und zeigen hier jeden Schritt, mit Prompts und mit dem, was es wirklich gekostet hat.
9 Min Lesezeit
David Koch · aktualisiert am 27.10.2026

Das Vorbild war ein Reel von einem Cutter: vier fertige Edits laufen gleichzeitig, jedes im eigenen Look. Große Wörter stehen hinter dem Kopf der Person, kleine Sticker fliegen rein, alles im Takt. Gemacht in After Effects, mit Stunden Handarbeit pro Clip.
Wir wollten wissen, ob das ohne Cutter geht. Ergebnis: ja, in vier Schritten. Kein Schnittprogramm, die Grafik entsteht als Code. Was es gekostet hat, steht weiter unten, auf den Cent.
Der Weg in einem Satz
Startbild mit KI erzeugen → daraus einen 5-Sekunden-Clip rechnen → die Person aus jedem Bild freistellen → Wort zwischen Hintergrund und Person legen → vier Clips ins Raster → als KI kennzeichnen.
Was du dafür brauchst
- Ein Bildmodell mit Referenzbildern, bei uns ChatGPT (im Abo enthalten)
- Ein Videomodell für Bild zu Video, bei uns Kling 3.0 über Higgsfield
- Ein Werkzeug zum Freistellen, bei uns Apple Vision auf dem Mac (kostenlos), alternativ rembg
- ffmpeg für Raster und Export (kostenlos)
- 5 bis 10 echte Fotos von dir, wenn du selbst im Bild sein willst
Nur dein eigenes Gesicht
Erzeuge so etwas nur von dir selbst oder mit schriftlicher Einwilligung der Person. Fremde Gesichter, Promis und Markenlogos sind tabu, auch „nur zum Testen“.
Schritt 1: Ein Startbild pro Look
Jeder der vier Looks braucht ein eigenes Startbild: anderes Set, andere Kleidung, andere Haltung. Wir haben vier Szenen gebaut: Gang durch einen Garten im Anzug, Ledersessel im hellen Studio, Gegenschnitt nach vorn gebeugt, grüner Stuhl vor grüner Wand.
Wichtig ist der Platz über dem Kopf. Das große Wort braucht Luft. Schreib deshalb in den Prompt, wo der Kopf im Bild sitzen soll.
Seiten prüfen
Das Modell spiegelt gern. Bei uns saß in einem Startbild das Band am falschen Handgelenk. Ein Satz wie „rechtes Handgelenk = linke Bildseite“ hat das beim zweiten Versuch gelöst. Schau dir jedes Startbild an, bevor es ins Video geht.
Schritt 2: Aus dem Bild einen Clip machen
Das Startbild geht in ein Videomodell, das daraus 5 Sekunden Bewegung rechnet. Wir haben Kling 3.0 im Pro-Modus genommen, Hochformat, ohne Ton. Ton brauchst du nicht, im fertigen Reel läuft Musik.
Die wichtigste Regel beim Prompt: Beschreib nur die Bewegung, nicht das Bild. Das Bild kennt das Modell schon.
Den Prompt schreibst du am besten auf Englisch, die Modelle folgen ihm dann genauer. Die deutsche Fassung oben zeigt dir den Aufbau.
Was bei uns schiefging
- Zoom trotz Stativ: Im ersten Clip fuhr die Kamera nach zwei Sekunden leicht heran. Lösung: „die Kamera bewegt sich überhaupt nicht“ dazuschreiben. Den alten Clip haben wir gerettet, indem wir genau dort geschnitten haben. Sieht aus wie ein gewollter Punch-in.
- Etwas in der Hand: Für einen Moment hielt die Hand einen kleinen Gegenstand, den es nicht gab. Lösung: „leere Hand“ in den Prompt.
- Grimassen: Ein Clip mit „spricht eindringlich“ wurde zu einer Show mit Riesenlächeln. Lösung: „ruhiges Gesicht, leicht geöffneter Mund, kein Grinsen“. Der zweite Versuch passte.
- Kopf am Bildrand: Im Gang-Clip setzte das Modell den Kopf ganz nach oben. Kein Platz für das Wort darüber. Wir haben das Wort deshalb hinter die Beine gelegt. Geht auch.
Schritt 3: Das Wort hinter den Kopf
Der Effekt ist einfacher, als er aussieht. Ein Bild besteht hier aus drei Ebenen, die du übereinanderlegst:
- 1Unten: das ganze Videobild.
- 2Mitte: das große Wort.
- 3Oben: nur die Person, freigestellt. Sie verdeckt das Wort dort, wo sie steht.
Für die obere Ebene stellst du die Person in jedem Einzelbild frei. Bei 5 Sekunden und 30 Bildern pro Sekunde sind das 150 Bilder pro Clip. Auf dem Mac macht das Apple Vision in unter einer Minute, ohne Kosten. Alternativ geht rembg, ein freies Werkzeug, das etwas langsamer ist.
Der Trick für saubere Kanten
Die Maske hat am Rand oft einen hellen Saum, besonders an Schultern und Haaren. Zieh die Maske um 1 Pixel zusammen und mach die Kante minimal weich. Dann sieht niemand, dass da etwas ausgeschnitten wurde.
Das Wort selbst bewegst du nur über Größe, Position, Deckkraft und Unschärfe. Unser Einflug: das Wort startet leicht verschwommen und kleiner und rastet dann mit einer Federbewegung ein. Wechselt das Wort, blitzt das Bild kurz hell auf. Mehr braucht es nicht.
Schritt 4: Vier Looks ins Raster
Jeder Look ist eine eigene Kachel in 540 mal 960 Pixeln. Vier davon ergeben genau ein Reel in 1080 mal 1920. In die Mitte kommt ein runder Stempel mit deinem Logo, oben ein kleiner Hinweis „Mit KI erstellt“.
Die Länge: 5 Sekunden, als Schleife. Kurze Reels mit viel Bewegung werden oft mehrmals hintereinander angeschaut. Die Naht zwischen Ende und Anfang versteckst du mit demselben hellen Blitz wie bei den Wortwechseln. Eine Überblendung erzeugt dort Doppelbilder, das haben wir ausprobiert.
Was es gekostet hat
Ehrliche Rechnung aus unserem Lauf am 27.10.2026:
- Vier Startbilder über das ChatGPT-Abo: keine Zusatzkosten, ein verworfenes inklusive
- Fünf Clips mit Kling 3.0 Pro, je 5 Sekunden ohne Ton, je 7,5 Credits: 37,5 Credits. Davon war einer ein Probeclip und einer ein Fehlversuch.
- Freistellen, Typo, Raster, Musik: alles lokal, keine Kosten
Im Higgsfield-Abo Ultra kosten 3.000 Credits 129 Dollar im Monat, also rund 4,3 Cent je Credit. 37,5 Credits sind damit etwa 1,60 Dollar für das ganze Reel. Die höhere Auflösung mit einem anderen Modell, etwa Seedance in 1080p, hätte pro Clip 80 Credits gekostet. Im Raster sieht man den Unterschied kaum, darum haben wir gespart.
Preise ändern sich
Stand Oktober 2026. Prüf vor jedem Lauf den Preis im Werkzeug, die meisten zeigen ihn vor dem Start an.
Kennzeichnen nicht vergessen
Täuschend echte KI-Videos von Menschen müssen als KI erkennbar sein. Wir setzen beides: den Hinweis „Mit KI erstellt“ im Video und das Label der Plattform beim Posten. Was genau gilt, steht in unserem Guide KI-Inhalte richtig kennzeichnen.
Keine Rechtsberatung
Keine Rechtsberatung, prüf das mit deinem Anwalt.
Checkliste zum Mitnehmen
- Vier Szenen, vier Outfits, jeweils Platz über dem Kopf
- Startbilder prüfen: Gesicht, Hände, Seite von Band oder Schmuck
- Video-Prompt: nur Bewegung, Kamera fest, leere Hände, ruhiges Gesicht
- Jeden Clip Bild für Bild ansehen, Fehler wegschneiden statt neu rechnen
- Drei Ebenen: Bild, Wort, freigestellte Person
- Maske 1 Pixel zusammenziehen, Kante weich
- Raster 2x2, 5 Sekunden, Schleife mit Blitz statt Überblendung
- Als KI kennzeichnen, im Video und auf der Plattform
Häufige Fragen
Brauche ich After Effects?
Nein. Wir haben die Grafik als kleines Programm geschrieben, das jedes Bild einzeln zusammensetzt. Wer lieber klickt, kann das Freistellen und das Wort auch in CapCut oder DaVinci Resolve machen. Die Schritte bleiben gleich.
Geht das auch mit echtem Video statt KI-Clips?
Ja, und das ist sogar der einfachere Weg: vier kurze Handy-Clips, Stativ, ruhiger Hintergrund. Dann sparst du dir Schritt 1 und 2 und die Credits.
Warum Kling und nicht Seedance?
Für ruhige Talking-Heads mit fester Kamera reicht Kling, und es kostet einen Bruchteil. Seedance spielt seine Stärke bei filmischen Kamerafahrten aus. Die sieht man in einer kleinen Rasterkachel nicht.
Selbst bauen oder bauen lassen?
Mit den Prompts oben baust du deinen ersten Look heute. Wie du daraus ganze Reels mit Text, Stimme und Schnitt machst, zeigen wir in der kostenlosen Business Dezigner Academy.
Weiterführende Links
- Anleitung: Aus einem Foto ein KI-Video machen , der Einstieg in Bild zu Video
- Anleitung: Der Realismus-Prompt , damit dein Startbild nach dir aussieht
- Anleitung: KI-Inhalte richtig kennzeichnen , was beim Posten gilt
- ffmpeg , kostenloses Werkzeug für Raster und Export
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